Die Deutsche Bahn saniert ihr Netz im Akkord. Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 prägt vor allem eine Großbaustelle das neue Fahrplanjahr: Die Strecke zwischen Hannover und Berlin ist bis Dezember 2027 gesperrt, der Fernverkehr fährt über Braunschweig und Magdeburg und braucht rund 80 Minuten länger. Die Generalsanierung Hamburg–Berlin ist dagegen seit April 2026 abgeschlossen. Alle Bahn-Großbaustellen 2027 im Überblick. Aktuelle Fahrplanänderungen aufgrund von Baustellen und Streckensanierungen jetzt abrufen:

Deutsche Bahn Baustellen - Sanierung Riedbahn

Eine Übersicht zu aktuellen Bahn-Großbaustellen, Dauer und Auswirkungen im Hinblick auf Streckensperrungen, Umleitungen oder Ersatzverkehr gibt’s hier:

Bahn-Baustellen 2027 – Überblick

Auf der Suche nach Rabatt-Aktionen und günstigen Bahntickets? Infos über Bahn-Angebote und Tipps für günstige Bahntickets haben wir aktuell für Sie zusammengestellt. Für allgemeine Informationen zur DB Fahrplanauskunft oder eine Beratung zu DB Tickets nutzen Sie bitte unsere separaten Artikel. Für weitere Informationen zu den Bahn-Baustellen klicken Sie bitte den gewünschten Abschnitt im Inhaltsverzeichnis an:

Übersicht Bahn-Baustellen 2026 / 2027: die vier Generalsanierungen

Bund und DB haben für 2027 vier Korridore zur Generalsanierung festgelegt. Anders als bei gewöhnlichen Baustellen wird dabei nicht in Etappen gearbeitet, sondern die Strecke über Monate komplett gesperrt — dafür soll danach jahrelang Ruhe sein.

Korridor Zeitraum Auswirkungen für Reisende
Lehrte–Berlin
(Hannover–Berlin)
2. Oktober 2026 bis Dezember 2027 Fernverkehr über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet, rund 80 Minuten längere Fahrzeit. Drei Fernverkehrszüge je Richtung innerhalb von zwei Stunden. Güterzüge ab Ende Januar 2027 zusätzlich über Halle–Eichenberg
Rosenheim–Salzburg 7. Februar bis 9. Juli 2027 Vollsperrung über rund fünf Monate, abgestimmt mit der ÖBB-Sanierung des Tauerntunnels. Umleitung über Mühldorf. Betrifft auch Reisen nach Österreich und Italien
Bremen–Bremerhaven 9. Juli bis 10. Dezember 2027 Keine durchgehende Vollsperrung: abschnittsweise eingleisiger Betrieb mit einzelnen Totalsperrungen. Im Nahverkehr Busersatz, wo keine Züge fahren können. Der Güterverkehr zu den Bremer Seehäfen bleibt möglich
Fulda–Hanau
(Korridor „Kinzigtal“)
13. August 2027 bis 4. Februar 2028 Gesperrt wird der Abschnitt Gelnhausen–Fulda, rund 58 Kilometer. Der Fernverkehr wird umgeleitet, im Nahverkehr fahren Busse vor allem zwischen Langenselbold und Fulda

Für den Winter-Fahrplan 2026 / 2027 sind damit zwei Baustellen relevant: Hannover–Berlin über die gesamte Laufzeit und ab Februar 2027 zusätzlich Rosenheim–Salzburg. Bremen–Bremerhaven und das Kinzigtal fallen in den Sommer-Fahrplan 2027.

Baustellen 2026: Was bis zum Fahrplanwechsel noch läuft

Bis zum 12. Dezember 2026 gilt noch der alte Fahrplan. Diese Baustellen wirken sich bis dahin aus:

Strecke Dauer Auswirkung
Hannover – Berlin 02.10.2026 – 12.12.2026 Umleitungen und Haltausfälle; danach übernimmt das neue Verkehrskonzept
Duisburg – Essen/Oberhausen 09.10.2026 – 30.10.2026 Halt- und Zugausfälle
Nürnberg – München 30.10.2026 – 12.12.2026 Reduziertes Angebot, längere Fahrzeiten
Knoten Berlin 14.06.2026 – 12.12.2026 Umleitungen
Köln – Wiesbaden 10.07.2026 – 12.12.2026 Halt- und Zugausfälle
Regensburg – Passau 14.06.2026 – 14.12.2026 Halt- und Zugausfälle

Reisende sollten sich rechtzeitig über alternative Verbindungen und geänderte Fahrpläne informieren, um Einschränkungen bestmöglich zu umgehen.

Bahn-Baustellen 2027 – Überblick

Deutsche Bahn Baustellen - Brückensanierung Küstrin
Deutsche Bahn Baustellen – Brückensanierung Küstrin

Hannover–Berlin: die größte Baustelle im Fahrplan 2027

Die stärkste Einschränkung des neuen Fahrplans betrifft die Ost-West-Achse. Seit dem 2. Oktober 2026 und bis Dezember 2027 saniert die DB InfraGO den Korridor zwischen Lehrte und Berlin — mit 227 Kilometern die nach Hamburg–Berlin zweitlängste gebündelt erneuerte Achse. Während der Bauzeit können auf der Schnellfahrstrecke und der parallelen Strecke weitgehend keine Züge fahren.

Was Reisende ab dem 13. Dezember 2026 merken: Der Fernverkehr wird über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet. Die Fahrzeit zwischen Hannover und Berlin verlängert sich dadurch um rund 80 Minuten. Nach dem Verkehrskonzept der DB fahren innerhalb von zwei Stunden drei Fernverkehrszüge je Richtung, dazu einzelne weitere Verbindungen. Braunschweig und Magdeburg bleiben stündlich an den Fernverkehr angebunden, Magdeburg erhält während der Bauzeit sogar mehr Fernverkehrshalte als sonst.

Der Grund für die Umleitung liegt in einer Verzögerung: Die Elektrifizierung der Lehrter Stammbahn ist erst im Dezember 2027 fertig statt wie geplant im Dezember 2026. Damit steht sie im neuen Fahrplanjahr nicht als Ausweichstrecke zur Verfügung. Die Umleitung über Braunschweig und Magdeburg hat die DB bis Oktober 2026 für die zusätzliche Belastung instand gesetzt. Im Nahverkehr bleibt ein Grundangebot bestehen; wo keine Züge fahren können, sind Busersatzverkehre vorgesehen.

Der Umfang der Arbeiten bis Dezember 2027: mehr als 214 Weichen, rund 357 Kilometer Gleise, 100 Kilometer Oberleitung und 13 Kilometer Lärmschutzwände, dazu 27 Bahnhöfe — teilweise mit barrierefreiem Ausbau — und sechs grundlegend erneuerte Stellwerke.

Wichtig für die Reiseplanung: Wer eine Fahrt nach dem 13. Dezember 2026 plant, sollte sich nicht auf gewohnte Abfahrtszeiten oder bekannte Umsteigeverbindungen verlassen, sondern die DB Fahrplanauskunft für die konkrete Verbindung prüfen. Gerade bei längeren Strecken kann ein geänderter Zwischenhalt die ganze Reisekette verschieben.

Bahnstrecke Hamburg–Berlin: Generalsanierung abgeschlossen

Die Eisenbahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin zählt mit 278 Kilometern zu den meistgenutzten Verbindungen Deutschlands. Täglich rollen hier rund 230 Züge, die bis zu 30.000 Fahrgäste transportieren – eine Spitzenposition unter den Direktverbindungen zwischen deutschen Metropolen.

Von August 2025 bis April 2026 wurde die Strecke generalsaniert und war in dieser Zeit für den Zugverkehr gesperrt. Innerhalb von neun Monaten bündelte die DB eine Vielzahl von Arbeiten an Gleisen, Weichen und Oberleitungen. Neben der grundlegenden Erneuerung von Leit- und Sicherungstechnik wurden 28 Verkehrsstationen entlang der Route modernisiert. Seit Ende April 2026 läuft der Verkehr wieder über die direkte Strecke — mit dem Ziel, den Bedarf an weiteren Bauarbeiten auf dieser Achse für Jahre deutlich zu senken.

Hamburg–Berlin war damit die bislang größte Korridorsanierung des Programms. Die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim war 2024 mit 74 Kilometern das Pilotprojekt.

Deutsche Bahn Baustellen - Schweißarbeiten
Deutsche Bahn Baustellen – Schweißarbeiten

Baustellenbedingte Fahrplanänderungen

Das Bahnnetz gehört zu den am stärksten frequentierten in Europa. Damit das so bleibt, modernisiert die Deutsche Bahn die Strecken nun im Akkord. Bei den meisten Baustellen und Bahn-Sanierungen kommt es zu massiven Streckensperrungen. Diese resultieren in längeren Fahrzeiten durch Umleitungen, Zugausfällen oder Ersatzverkehren mit Bus. Aktuelle Informationen zu größeren Störungen im Streckennetz der Deutschen Bahn finden Sie auf:

Bahn-Baustellen: Fahrplanänderungen im Überblick

Baustellen und Umleitungen: Das sind die Fahrgastrechte bei Bahn-Verspätung

Bei Baustellen und Umleitungen kommt es häufig vor, dass Züge länger unterwegs sind. In solchen Fällen gelten europaweit einheitliche Bahn-Fahrgastrechte. Wenn Sie ein Ticket kaufen, bei dem die Baustelle und eine damit verbundene Umleitung bereits im Reiseplan enthalten sind, können Sie Ihre Fahrgastrechte erst dann geltend machen, wenn sich Ihre Ankunft am Zielort um mindestens 60 Minuten verzögert. Wird jedoch bereits vor der Abfahrt absehbar, dass sich die Abfahrt oder Ankunft um mehr als 20 Minuten verzögert, entfällt die Zugbindung, und Sie dürfen einen anderen Zug nutzen.

Anders sieht es aus, wenn Sie ein Ticket kaufen, bei dem noch keine Baustelle oder Umleitung im Reiseplan eingetragen ist und sich dieser erst nachträglich ändert. In der Regel werden Sie von der Bahn über diese Änderung informiert. In solchen Fällen entfällt in der Regel ebenfalls die Zugbindung, und Sie können entweder einen anderen Zug nehmen oder Ihr Ticket kostenlos stornieren.

Kommt es am Zielort zu einer Verspätung von mindestens 60 Minuten, haben Sie Anspruch auf eine Erstattung von 25 Prozent des Ticketpreises. Beträgt die Verspätung 120 Minuten oder mehr, erhalten Sie 50 Prozent des Ticketpreises zurück. Sollten Sie Ihre Reise aufgrund der Verspätung abbrechen, wird Ihnen sogar der gesamte Ticketpreis erstattet. Bereits ab einer erwarteten Verspätung von 20 Minuten am Start- oder Zielbahnhof entfällt die Zugbindung, und Sie können auf jeden anderen Zug ausweichen. Entstehende Mehrkosten für ein neues Ticket werden Ihnen erstattet.

Ist schon vor der Abfahrt absehbar, dass Ihr Zug mehr als 20 Minuten verspätet ist, dürfen Sie ohne Zugbindung einen anderen Zug nehmen. Falls Sie dafür ein neues Ticket kaufen müssen, erstattet Ihnen die Bahn später die Differenz. Liegt die Verspätung sogar bei mehr als 60 Minuten vor Abfahrt, können Sie Ihr Ticket vollständig kostenfrei zurückgeben. Wird unterwegs absehbar, dass Sie Ihr Ziel mit mehr als 60 Minuten Verspätung erreichen, dürfen Sie die Reise abbrechen oder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Auch in diesem Fall erhalten Sie den Ticketpreis vollständig zurück.

Hier die Fahrgastrechte im Überblick:

Bahn-Verspätung von mind. 60 Minuten am Ziel 25% Erstattung des Ticket-Preises; bei Reiseabbruch 100% Erstattung
Bahn-Verspätung von mind. 120 Minuten am Ziel 50% Erstattung des Ticket-Preises; bei Reiseabbruch 100% Erstattung
Bahn-Verspätung von mind. 20 Minuten am Start- oder Zielbahnhof Zugbindung aufgehoben, jeder Zug kann genutzt werden, zusätzliche Ticket-Kosten werden erstattet
Verspätung in Echtzeit abrufen Ist mein Zug pünktlich?
Taxi- und Hotelkosten bis maximal 120 Euro

Die Fahrgastrechte sind EU-weit geregelt. Es gibt allerdings Ausnahmen, bei denen Bahnunternehmen keine Entschädigung leisten müssen – beispielsweise bei höherer Gewalt wie extremer Witterung, bei Eingriffen Dritter wie Personen im Gleis, Kabeldiebstahl, Polizeieinsätzen oder dem unnötigen Betätigen der Notbremse.

Damit alle Fahrgastrechte in vollem Umfang gelten, benötigen Sie eine sogenannte Durchgangsfahrkarte. Diese liegt vor, wenn Sie eine Reise mit mehreren Anschlüssen oder Teilstrecken innerhalb einer Buchung direkt bei einem Bahnunternehmen gekauft haben.

Deutsche Bahn Fahrplanauskunft - DB-Fahrplan

Sanierungsprogramm der Bahn für die nächsten Jahre

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht der massive Sanierungsstau der Deutschen Bahn. Allein für die grundlegende Erneuerung des bestehenden Schienennetzes fehlen Schätzungen zufolge rund 80 Milliarden Euro – Deutschlands größter Infrastrukturbedarf. Berücksichtigt man zusätzlich Aus- und Neubauten sowie Digitalisierung, summiert sich der Finanzbedarf auf bis zu 150 Milliarden Euro. Dieses Defizit hat in den letzten Jahren zu über 850 Baustellen täglich geführt und wirkt sich nachweislich auf die Pünktlichkeit aus: Im Fernverkehr lag sie 2025 bei 60,1 Prozent – dem niedrigsten je gemessenen Wert. 2024 waren es noch 62,5 Prozent, 2015 lag die Quote bei 74,4 Prozent. Als verspätet gilt ein Zug ab sechs Minuten. Das Ziel der DB-Spitze: 70 Prozent bis 2029.

Als Antwort darauf wurde das Sanierungsprogramm S3 aufgelegt. Im Fokus stehen drei Kernbausteine: die konsequente Erneuerung der Infrastruktur, betriebliche Abläufe und die wirtschaftliche Effizienz. Dazu gehören unter anderem die Sanierung von Hochleistungskorridoren, die Modernisierung von Stellwerken sowie 400 Bahnhöfe, die bis 2027 zu „Zukunftsbahnhöfen“ umgestaltet werden sollen.

Für die Generalsanierung des Hochleistungsnetzes sind rund 4.000 Kilometer Strecke vorgesehen. Umfangreiche Vollsperrungen sollen dabei viele Arbeiten gleichzeitig ermöglichen – statt der ineffizienten schrittweisen Einzelprojekte. Allerdings zieht sich die Umsetzung deutlich in die Länge: Ursprünglich war der Abschluss für 2030 geplant, inzwischen reicht der mit der Branche abgestimmte und vom Bund bestätigte Zeitplan bis 2036. Begründet wird das mit der Anpassung an die Laufzeit des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität sowie damit, dass weniger stark genutzte Strecken nicht mehr parallel gesperrt werden sollen.

Welche Korridore wann saniert werden

Der vom Bund bestätigte Zeitplan sieht für die kommenden Jahre jeweils vier Korridore vor:

Jahr Korridore
2026 Hagen–Wuppertal–Köln · Nürnberg–Regensburg · Obertraubling–Passau · Troisdorf–Unkel / Unkel–Wiesbaden
2027 Rosenheim–Salzburg · Lehrte–Berlin · Bremerhaven–Bremen · Fulda–Hanau
2028 Köln–Koblenz / Koblenz–Mainz · München–Rosenheim · Hagen–Unna–Hamm · Lübeck–Hamburg
2029 Hamburg–Hannover · Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen · Forbach–Ludwigshafen · Aachen–Köln
2030 Stuttgart–Ulm · Stendal–Magdeburg · Uelzen–Stendal · Frankfurt–Heidelberg
2031 Mannheim–Karlsruhe · Lehrte–Groß Gleidingen · Bremen–Hamburg · Würzburg–Nürnberg
2032 Bebra–Erfurt · Bebra–Fulda · Münster–Recklinghausen · Weddel–Magdeburg
2033 Bremen–Osnabrück · Osnabrück–Münster · Hamm–Düsseldorf–Köln
2034 Bremen / Rotenburg–Wunstorf · Kassel–Friedberg · Ulm–Augsburg
2035 Minden–Wunstorf · Nordstemmen–Göttingen
2036 Flensburg–Hamburg

Die endgültige Entscheidung über die Reihenfolge der späteren Korridorsanierungen liegt beim Bund – Verschiebungen sind daher möglich. Zuletzt rutschten etwa Lübeck–Hamburg und Frankfurt–Heidelberg in spätere Jahre.

Kritiker wie die GDL oder andere Eisenbahnverkehrsunternehmen bewerten das Programm als „Wundsalbe“ und monieren, dass insbesondere Vollsperrungen regionalen Verkehrsunternehmen drohende Existenzrisiken bringen. Hinzu kommen Bedenken zu fehlenden Kapazitätserweiterungen bei gleichzeitig steigenden Kosten – wie etwa bei der Riedbahn, deren Kosten pro Kilometer teils deutlich über den Planungen lagen. Auch bleiben zentrale Bauwerke wie Brücken und digitale Stellwerkstechnik oft außen vor – was potenziell neue Baustellen im Folgezeitraum bedeutet.

Insgesamt ist das Sanierungsprogramm ambitioniert, aber geprägt von einem hohen Finanzbedarf, engen Zeitplänen und steigender Komplexität. Der angestrebte Kurs hin zu einem modernen, leistungsfähigeren Schienennetz ist klar erkennbar – doch ob die Umsetzung mit den geplanten Mitteln und Zeitrahmen gelingt, bleibt eine offene Frage. Entscheidend wird sein, ob ausreichende Finanzierungszusagen erfolgen und stimmige Abstimmungen mit Ländern, Kommunen und Verkehrsunternehmen gelingen.

Weitere Themen