Jeder vierte ICE der Deutschen Bahn ist verspätet. Für DB-Reisende bedeutet dies nicht nur eine längere Bahn-Fahrt, sondern auch viel Stress, verpasste Anschlusszüge und geplatzte Termine. Alle Infos zur DB-Pünktlichkeit sowie zu Anspruch & Durchsetzung von Entschädigung und Erstattung gibt es hier.

Deutsche Bahn Fahrplanauskunft - DB-Fahrplan

Die Deutsche Bahn muss rund 40 Millionen Euro pro Jahr an Entschädigungsansprüchen ihren Kunden auszahlen – eine gewaltige Summe. Wenn Sie zu spät angekommen sind, erfahren Sie in diesem Beitrag alles, was Sie zur DB-Verspätung wissen müssen. Den Live-Fahrplan mit aktuellen DB Verspätungen gibt es hier:

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Für detaillierte Informationen zur Bahn-Verspätung wählen Sie bitte den gewünschten Themenabschnitt im Inhaltsverzeichnis an:

Verspätung bei der DB

Es ist ein Ärgernis für Bahn-Reisende, wenn die Frage „Ist mein Zug pünktlich?“ mal wieder mit nein beantwortet werden muss, Anschlüsse verpasst und das Ziel später als geplant erreicht wird. Die Deutsche Bahn verfährt bei der Berechnung der Pünktlichkeit nach historischen Maßstäben. Danach gilt ein Zug erst dann verspätet, wenn er mehr als 6 Minuten hinter der Soll-Zeit liegt. Erreicht ein Zug also einen Halt 5 Minuten und 59 Sekunden hinter der Ankunft laut DB Fahrplanauskunft, wäre er laut Deutscher Bahn noch pünktlich.

Im Jahr 2016 lagen die durchschnittlichen Pünktlichkeitswerte bei 94,4 Prozent – und damit 0,7 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Dies allerdings kombiniert die Pünktlichkeit im Nahverkehr und im Fernverkehr. Allerdings liegen diesen beiden Werte weit auseinander.

  • Im Nahverkehr, also bei den RE-, RB- und IRE-Zügen, lag die Pünktlichkeit 2016 bei 94,8 Prozent.
  • Im Fernverkehr, also bei ICE- und IC-Zügen, lag die Jahrespünktlichkeit bei 78,9 Prozent. In einigen Monaten, etwa im Januar, im Mai, Juni und November 2016, war jeder vierte ICE oder IC mehr als 6 Minuten zu spät. Und jeder zehnte ICE kam mehr als 16 Minuten zu spät an.

Wer von einer Verspätung betroffen ist, muss wissen, welche Rechte ihm zustehen.

Fahrgastrechte bei Verspätung

Grundsätzlich ist die tatsächliche Ankunftszeit am Zielbahnhof entscheidend bei der Berechnung der Verspätung. Dies bedeutet: Haben Sie aufgrund der Verspätung eines Zuges von 5 Minuten Ihren Anschlusszug nicht erreicht, den Sie laut Ticket hätten nehmen sollen, und müssen womöglich eine Stunde auf den nächsten Anschlusszug warten, sind Sie mehr als eine Stunde später als geplant am Ziel. Die Bahn nennt dies Reisekette.



Zudem ist die Zugbindung aufgehoben ab einer Verspätung von 20 Minuten. Reisende können in diesem Fall in der Bahnauskunft schauen, welches die nächste erreichbare Zugverbindung in Richtung des Ziels ist und in jeden Zug einsteigen. Dies gilt vor allem für den Flexpreis Bahn oder DB Tickets aus dem DB Sparpreisfinder, also den Sparpreis und den Super Sparpreis. Wer ein reines Nahverkehrsticket hat, kann in diesem Fall auch ICE und IC gegen Zahlung der Differenz nutzen.

Nach der Verspätung müssen Reisende nicht sofort am nächsten Tag ihren Anspruch bei der Deutschen Bahn einreichen. Fahrgäste haben ein Jahr Zeit, ihre Ansprüche geltend zu machen. Und nach Eingang des Antrags hat die Bahn 28 Tage Zeit, den Anspruch zu bearbeiten.

Deutsche Bahn - ICE im Bahnhof Leipzig
Jeder vierte ICE der Deutschen Bahn ist verspätet.

Entschädigung

Bahntickets zum Flexpreis und Sparpreis:

  • Ab 60 Minuten Verspätung laut Fahrplan erhalten Fahrgäste eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten Verspätung beträgt die Erstattung 50 Prozent.
  • Bei Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt, die auf einer Fahrkarte abgebildet sind, wird die Entschädigung ab 60 Minuten bzw. ab 120 Minuten Verspätung auf der Grundlage des halben entrichteten Fahrpreises berechnet.

Zeitkarten werden pauschal je Verspätung ab 60 Minuten entschädigt:

Erstattung und Stornierung

Die Sitzplatzreservierung wird dann erstattet, wenn Sie Ihren Sitzplatz aus Bahnverschulden nicht einnehmen konnten. Dazu gehört, wenn die Plätze oder Waggons nicht bereitgestellt oder nutzbar waren oder Anschlussverbindung wegen Zugverspätung nicht erreicht werden konnte. Hier kann es bei 1.-Klasse-Sitzplatzreservierungen sogar Entschädigungen geben.


Mehr Infos zur Sitzplatzreservierung


Wenn Sie Ihr Bahnticket stornieren möchten, können Sie dies tun, wenn der erste Zug bei Reiseantritt eine Verspätung von mehr als 60 Minuten aufweist. Dann ist der Reisende berechtigt, die Fahrt gar nicht anzutreten und sich das komplette Geld erstatten zu lassen. Bei Streik, Hochwasser und Co. und damit bedingten Zugausfällen bzw. Verspätungen ist die Ticket-Stornierung eine Frage der DB-Kulanz.


Mehr Infos zur Bahnticket-Stornierung


Taxi- und Hotelkosten

  • Beträgt die Verspätung mehr als 60 Minuten und liegt die Ankunftszeit laut Fahrplan zwischen 0 und 5 Uhr morgens, kann die Bahn ein alternatives Beförderungsmittel für den Reisenden wählen – dies ist meist ein Taxi. Dabei werden höchstens 80 Euro Taxikosten übernommen. Wichtig ist, vorab zu einem DB-Mitarbeiter zu gehen, da mitunter Taxi-Gutscheine ausgegeben werden können.
  • Hat der Reisende aufgrund von Verspätungen oder Zug-Ausfällen keine Chance mehr, seinen Zielbahnhof zu erreichen, zahlt die Bahn mitunter eine Hotelübernachtung. Der Übernachtungspreis ist hierbei allerdings nicht gedeckelt, es werden laut DB „angemessene Übernachtungskosten“ übernommen. Auch hier gilt: Der Anspruch ist, sofern möglich, bei einem DB-Mitarbeiter anzumelden. Denn oftmals hat die Deutsche Bahn für solche Fälle von Verspätungen Hotel-Gutscheine dabei.

Fahrgastrechte durchsetzen

Nachdem Sie nun wissen, welche Entschädigungen und Rechte Ihnen im Verspätungsfall bei der Deutschen Bahn zustehen, müssen Sie nun wissen, wie Sie Ihre Rechte durchsetzen.

  1. Um ihren Entschädigungsanspruch durchzusetzen, benötigen Sie das Fahrgastrechte-Formular. Füllen Sie dies sorgfältig aus. Am Ende müssen Sie das Fahrgastrechte-Formular ausdrucken und unterschreiben.
  2. Kopieren Sie Ihr Bahnticket sowie sonstige Belege, die Ihre eventuell entstandenen Auslagen dokumentieren können.
  3. Nun haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie können direkt in das nächste DB-Reisecenter gehen und dort die Unterlagen vorzeigen. Dann bekommen Sie die Entschädigung im Regelfalls gleich bar ausgezahlt. Der populärere Weg besteht darin, das ausgefüllte Fahrgastrechte-Formular sowie Bahnticket & Belege gesammelt an folgende Adresse zu schicken:

Servicecenter Fahrgastrechte
60647 Frankfurt/Main


Fahrgastrechte-Formular

Nicht ganz einfach ist das Ausfüllen des Fahrgastrechte-Formulars. Hier werden Sie nach der Zugnummer und der tatsächlichen Ankunftszeit gefragt. Die Zugnummer ist etwa aus der DB Fahrplanauskunft ersichtlich. Zur Abfrage der tatsächlichen Ankunftszeit können Sie die Zugnummer etwa hier eingeben und sich die Verspätung für einen bestimmten Tag anzeigen lassen.

Auszahlungsform & Alternativen

Alternative: Allerdings ist dies nicht die einzige Möglichkeit, sein Recht geltend zu machen. So können Fahrgäste auch auf das Fahrgastrechte-Formular verzichten und lediglich das kopierte Ticket einreichen. Im Idealfall notieren Sie dazu, bei welchem Zug die Verspätung ursprünglich aufgetreten ist, so dass Bahn-Mitarbeiter die Reisekette und den Entschädigungsanspruch nachvollziehen können.

Sie müssen dazu noch die Auszahlungsform der Entschädigung angeben. Wünschen Sie eine Überweisung, können Sie Ihre Bankverbindung im Fahrgastrechte-Formular angeben. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, sich die Entschädigung aufgrund einer Bahn-Verspätung als Gutschein zusenden zu lassen. In diesem Fall können Sie den Gutschein bei einer erneuten Bahnreise-Buchung verwenden.


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