Die Bahn-Tarifrunde 2018 beginnt: Die GDL fordert 7,5 Prozent mehr Lohn sowie mehr Zulagen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit. Die Verhandlungen sollen im Oktober beginnen. Droht ein neuer Bahnstreik? Alle Informationen zur aktuellen Tarifrunde und zum Bahnstreik in diesem Beitrag.

Deutsche Bahn - Fahrplan-Anzeigetafel im Berliner Hauptbahnhof
Die Tarifverhandlungen für die 154.000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn sollen im Oktober beginnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordert 7,5 Prozent mehr Lohn sowie Zulagen für Nacht- und Sonntagsarbeit. Gibt es wieder einen großen Bahnstreik wie 2014/2015?

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Hintergrund Tarifrunde 2018

Die Tarifverträge mit den Gewerkschaften Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) aus der Tarifrunde 2016/17 laufen zum 30.9.2018 aus. Die erste Verhandlungsrunde mit der EVG ist für den 11. Oktober vorgesehen. Die Verhandlungen mit der GDL beginnen am 12. Oktober. Beide Auftakttermine finden in Berlin statt.

Verhandelt wird in erster Linie für rund 154.000 Mitarbeiter in Deutschland. Betroffen sind insbesondere die DB-Gesellschaften der Eisenbahn in Deutschland, d.h. in den Bereichen Infrastruktur, Transport und Dienstleistungen, aber auch Tochter-Gesellschaften wie z.B. DB Systel, DB Services oder DB Sicherheit.
In den Tarifbereich der EVG fallen ca. 99.000 Mitarbeiter.

Forderungen der GDL

  • Die GDL fordert eine Entgelterhöhung von 7,5 Prozent.
  • Gleichzeitig müssen die Zulagen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit deutlich erhöht werden.
  • Die Nachtarbeitszulage soll 25, die Sonntagszulage 35 und die Feiertagszulage 50 Prozent des Stundenlohns betragen, was einer Steigerung von rund zwei Prozent entspricht.
  • Die Zulage für Überstunden soll künftig 25 Prozent des individuellen Stundenlohns betragen und muss monatlich statt jährlich gezahlt werden.
  • Darüber hinaus fordert die GDL bessere Arbeitszeitregelungen.

„Diese Tarifrunde steht unter dem Motto ‚Mehrwert durch Wertschätzung‘ und wir verlangen damit auch eine Verbesserung der Unternehmenskultur. Erstmals gehen wir in eine Tarifrunde und fordern feste Besetzungsnormen für die Züge des Fern- und Nahverkehrs. Dabei haben wir bewusst eine zweijährige Laufzeit vorgesehen, damit wir eine planbare, verlässliche Größe zur Grundlage haben. Die Mehrarbeit und die Nacht- und Wochenendschichten der Lokomotivführer und Zugbegleiter müssen besser honoriert werden, denn spezielle Arbeitsbedingungen erfordern auch Tarifnormen für Spezialisten. Daran führt kein Weg vorbei, denn das Zugpersonal arbeitet an 365 Tagen im 24-Stundenrhythmus rund um die Uhr. Es muss Schluss sein mit Kurzpausen, Ruhezeitverkürzung und Pausen auf dem Zug. Die Überbelastung muss reduziert werden. Sie führt im Endeffekt zu noch mehr Ausfall durch erhöhten Krankenstand oder Fahrdienstuntauglichkeit, den die verbleibenden Kollegen dann wieder schultern müssen.“ GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky

Bessere Planbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit

Die individuellen Möglichkeiten, statt Vergütung mehr Urlaub zu wählen, sollen weiter ausgebaut werden. Zukünftig sollen die Arbeitnehmer weit mehr Optionen haben als bisher. Auch die Planung der Arbeitszeit soll weiter verbessert werden. Nachdem die GDL in der Tarifrunde 2016/2017 neue Regelungen zu einer verlässlichen Arbeitszeitplanung vereinbart hat, geht es nun um deren Ausbau.

„Verlässliche Planbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit wird immer wichtiger. Auch die Mitarbeiter des Zugpersonals sollen trotz unregelmäßiger Schicht- und Wechselarbeit am sozialen Leben teilnehmen können und mehr Zeit für ihre Familien und ihre persönlichen Interessen haben. Ansonsten müssen wir noch ewig neue Leute suchen“, so der GDL-Bundesvorsitzende. Insgesamt hat die GDL 38 Forderungen gestellt. Weselsky: „Wir gehen zuversichtlich in die Tarifverhandlungen, die am 12. Oktober 2018 in Berlin beginnen.“

Bahnstreik 2014/2015

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat den bisher längsten Bahnstreik vom 4. bis 10. Mai 2015 ausgefochten. Im Personenverkehr wurde 127 Stunden gestreikt, im Güterverkehr waren es sogar 138 Stunden. Bereits im Jahr 2014 kam es zu Streiks.



  • 1. September 2014 (1. Warnstreik): 3 Stunden Streik im Personenverkehr
  • 6. September 2014 (2. Warnstreik): 3 Stunden Streik im Personenverkehr
  • 7./8. Oktober 2014 (1. Streik): 9 Stunden Streik im Personenverkehr
  • 15./16. Oktober 2014 (2. Streik): 14 Stunden Streik im Personenverkehr
  • 17.-20. Oktober (3. Streik): 50 Stunden Streik im Personenverkehr
  • 6.-8. November 2014 (4. Streik): 64 Stunden Streik im Personenverkehr
  • 21.-23. April 2015 (5. Streik): 43 Stunden Streik im Personenverkehr
  • 4.-10. Mai 2015 (6. Streik): 127 Stunden Streik im Personenverkehr

Zentrale Ergebnisse der Verhandlungen waren Einkommenserhöhungen und eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Entgelte stiegen bereits zum 1. Juli 2016 um 3,5 Prozent und am 1. Mai 2017 um weitere 1,6 Prozent. Hinzu kam eine Einmalzahlung von 350 Euro. 2018 sank laut GDL-Chef Claus Weselsky die wöchentliche Arbeitszeit des Zugpersonals um eine Stunde auf 38 Stunden. Zudem gab es Regelungen zur Altersteilzeit und zu Überstunden sowie Neueinstellungen.


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